Geschichte
Zu verschiedenen Jubiläen gab es auch größere Verantstaltungen. Diese Veranstaltungen wurden auch von großen Reden begleitet. Als Auszug gibt es auf dieser Seite ein paar Texte dieser Reden.
Ansprachen der Herren 
- Helmut Volkmer (Lagergründer),
- Arnfried Antonius (Mitbegründer) und
- Hans Werner Löw (Einer aus der Führungsriege)
zum 50. Jugendskilager der Siebenbürgen-Sachsen am Hochkönig.
Zum 40. Jugendskilager wurden auch schon Reden gehalten. Hier geht’s zur Rede von B006 - Hans Werner Löw.
Am 13. Januar 2010 ist unser lieber und geschätzter B002
Dr. Arnfried Antonius (* 24.12.1934)
verstorben. Als angesehener Meeresbiologe hat er, über Jahrzehnte hinweg, das Korallensterben erforscht.
Festrede zur 40-Jahrfeier von Hans Werner Loew
Liebe Jugend, liebe Grufties, liebe Gäste!
Oft verlieren sich die Anfänge großartiger Entwicklungen im Dunkel der Geschichte. Das war beim gewaltigen römischen Reich so und ist beim Siebenbürgischen Skilager nicht anders.
So ist es nicht sicher, haben wir jetzt das 40. oder 41. Lager, und wenn im Hüttenbuch für das Jahr 2032 das 80.ste angekündigt wird, so müsste 1992 das 40.ste Skilager sein und das erste 1952. Wir müssen mit diesen Unklarheiten leben und feiern trotzdem auftragsgemäß das 40. Lager.
Eines jedoch steht fest: Ostern 1949 zogen 36 junge Leute aus dem Grazer Studentenwohnlager auf die Sommeralm der Mitterbergalm, im Rucksack Käse, Nudeln und Zwiebel. Unter ihnen der Boss und Erich Sigmund. Damit wurde die älteste, heute bestehende, sächsische Tradition und Organisation in österreich und in der Bundesrepublik aus der Taufe gehoben oder auf die Skier gestellt. Sie ist älter als die Landsmannschaft, Heimattage, Honterusfest oder Kulturtage.
Und diese Einrichtung ist nicht nur die älteste, sondern auch die originellste und beliebteste. Und das hat seinen Grund und den muss man immer wieder deutlich nennen: Außer den Olympischen Spielen gibt es nichts vergleichbares und die haben in den letzten Jahren vergleichsweise stark an Attraktivität verloren.
Mit diesem Skilager ist in 4 Jahrzehnten ein sächsisch-deutsch-österreichisch-bulgarisches Gesamtkunstwerk entstanden von hohem kulturellen Rang. Und darüber will ich sprechen: "Das Skilager als kulturelles Ereignis".
Es ist eine kleine Welt für sich. Die öffnet am Karfreitag die Türen, lässt die Teilnehmer ein und hält sie dann bis zum Weißen Sonntag von der Außenwelt kulturell weitgehend abgeschlossen. So entwickelt sich ein kleiner kultureller Kosmos mit hoher Innentemperatur und erstaunlichen Blüten.
Ich will jetzt nicht davon sprechen, dass regelmäßig ältere Herren auftreten und Produkte der bürgerlichen Kultur mit gutem Zuspruch anbieten. Es sollen vielmehr die eigenständig gewachsenen Kulturfelder vorgestellt werden, das sind im wesentlichen vier: die Musikkultur, die Dichtkunst, die Ernährungskultur, das vielfältige Brauchtum.
1) Mit dem letzten Punkt will ich beginnen: Durch den Abschluss von der Außenwelt – ich sprach davon – konnten sich hier Sitten und Bräuche erhalten, die in anderen Hochkulturen längst ausgestorben sind. Ich nenne beispielhaft:
- Das Mulatschag in allen Abstufungen, also von der Totalreform des Mobiliars bis zum intimen Flüstermulatschag
- Das Schinkenklopfen mit Bratpfannen
- Der Brauch des Jahresmottos
- Das Hantieren mit tieffliegenden Plastiktüten
- Und auch das gradlinige Wirkungstrinken, insbesondere von Jagatee auf dem Trainingsfeld Mitterfeld
Das Kulturleben ist stark ritualisiert: Es beginnt mit einer Eröffnungsansprache aus alter Zeit, dann folgt der merkwürdige Brauch, dass alte Bekannte sich alle Jahre wieder gegenseitig vorstellen. Bemerkenswert sind ferner: das österliche Bespritzen und anschließende Eierhamstern, das rituelle Hangtreten am Donnerstag, das Rennen als Kampf um Pokal und Brezel zugleich, die bewegende Siegerfeier, die unerschütterliche Speisefolge und natürlich der Küchendienst.
Die ist eine Einrichtung mit starker Gemeinschaftsbildender Wirkung. Eine ausgefeilte, aber undurchschaubare Personalplanung führt dazu, dass die Teilnehmer zusammenkommen, die sich nach Meinung des Bosses besonders gut leiden können sollten. Der Küchendienst ist aber auch von großer Charakterformender Kraft. Er macht aus Burschen Männer, aus Männern Helden der Arbeit, aus Mädchen Damen und aus Damen Vulkane.
Man sieht: lebendiges Brauchtum dokumentiert reiches Kulturleben – oder auch umgekehrt.
2) Bei der Musikkultur ist zuerst das seltene und seltsame Liedgut zu nennen, insbesondere aus dem geistigen Notenbüchlein der Bulgaren. Hier wird anschaulich das keusche Leben in Klöstern geschildert, der wundertätige Pater Gabriel und auch ergreifende Geschichten aus Brombeerwäldern.
Die Vortragskunst des Lagerchores muss keinen Vergleich scheuen. Die Lagerhymne – dieses zarte Lied mit dem anspruchsvollen Text – wird auch von den Wiener Sängerknaben nicht inniger dargeboten. Der Boss mit seiner Quetsche ist ein anerkannter Solist und Virtuose. Auch wenn er nur in einem relativ kleinen Spezialgebiet tätig ist, nämlich der C-dur Tonart, erstaunt sein reiches musikalische Schaffen. Er überträgt locker und konsequent alle Lieder in diese Tonart, womit er sich spätestens in der dritten Strophe gegen alle anderen Sänger und Musikanten durchsetzt. Ja die sächsische Musikkultur hat hier eine wahre Heimat gefunden.
3) Die Dichtkunst kann nicht hoch genug gepriesen werden. Beide Hüttenbücher sind Fundgruben für Liebhaber bodenständiger Dichtkunst aus dem gesamten deutschen Sprachraum. Dies gilt insbesondere für die Literatur-Sparte der spontanen Promille-Lyrik, eine Kunst, die andernorts kaum mehr gepflegt wird.
Ganze Generationen von Jugendlichen und Nachwuchsschriftstellern haben hier Talentproben abgegeben – im Vergleich zu diesen Ergebnissen erscheinen die „Satanischen Verse“ wie eine Sammlung von Kinderreimen.
4) Und nun zur Ernährungskultur: Der Speiseplan ist ein einziger Härtetest – er wurde deswegen auch, in das überlebensprogramm der bulgarischen Luftwaffe übernommen.
5) Man kann zu diesem Speiseplan drei Positionen einnehmen: die juristische, die historische und die soziologische.
Juristisch gesehen, kann man dagegen die Menschenrechtskonvention anrufen, historisch gesehen, kann man sagen, mit solchen Mitteln schon unsere Vorfahren gegen die Türken gekämpft – und zuletzt gewonnen. Man sollte es aber eigentlich so betrachten:
Das Geheimnis des Speiseplans ist die raffinierte Kombination von Hülsenfrüchten, Kohl, Zwiebel und Knoblauch. Die Wirkung ist krampflösend, mitunter sogar enthemmend, es werden Körperfunktionen stimuliert – ich brauche das vor Experten nicht ausführen.
Wenn aber nun diese Funktionen auf engstem Raum in Gemeinschaft gestattet sein müssen, weil eben zwingend programmiert, so entsteht menschliche Nähe und Wärme. Es geht um das unausweichliche Erfassen und Erleben des Nächsten und seiner ganzen Person – oder um den Furz als sozialen Katalysator. Ich will an dies Mysterium nicht weiter rühren, es gibt Dinge, die bleiben besser ungesagt.
Ich hoffe, ich konnte ihnen kurz das Skilager als Kulturereignis darstellen.
Es gibt den Kulturpreis der Siebenbürger Landsmannschaft und der Sächsischen Stiftung. Ich möchte die Personen, die den Lagerchor, die Bulgaren oder das ganze Lager als Preisträger vorgeschlagen haben, ausdrücklich bestärken und ermutigen – gerade, weil es so wenige sind. Ich kann definitiv zusagen: Wir würden den Preis annehmen, notfalls auch mehrere Jahre hintereinander, dann wäre die lästige Suche nach Preisträgern eine Zeit lang ausgestanden.
Dabei geht es nicht um die Urkunde und Plakette, - die verleihen wir uns bei jeder Gelegenheit selber – nein, es geht um die Preissummen zur Fortsetzung unserer kulturellen Arbeit. Als nächstes planen wir eine Fachakademie für Charme und Herzensbildung in Wien unter der Leitung von Erich.
Vorletzter Punkt:
Nichts steht im Hüttenbuch so oft wie das Wort: „Danke für die Tage am Hochkönig“ und das Versprechen wiederzukommen. Zu diesem 40. Lager hatte ein Drache das „Danke“ auf seinen Flügeln getragen.
Das ist nicht nur, aber hauptsächlich und letztlich ein Verdienst von Helmut. An seinem 60. Geburtstag hat Dr. Matzi ihm dafür gedankt, ich möchte das hier noch einmal in aller Namen tun.
Der letzte Punkt:
Das Lagerleben wurde über lange Zeit hinweg von den Bulgaren geprägt und auch gestaltet. Doch die Zeichen sind unübersehbar, ein neues Zeitalter bricht an, die Nach-Bulgaren-Epoche dämmert herauf. Deutliches Kennzeichen: Die Grufties wurden an die Pensionistenfreitische gesetzt und bekommen jetzt das Restessen und künftig die Essensreste.
Das ist der Lauf der Welt!
Aber trotzdem bleibt unser gemeinsames Ziel: das 80ste Skilager. Helmut hat als Rentner bald mehr Zeit; es werden jährlich drei Lager durchgeführt, dann haben wir die nächste Etappe in 14 Jahren geschafft.
Und so will ich mit einem schönen Bild schließen:
Helmut steht wieder hier, im Jahre 2003, gestützt auf seine sieben Enkel, gebeugt, doch ungebrochen, enthüllt eine Gedenktafel für das 80ste Skilager und die Mühlbacher Blaskapelle spielt „Santa Lucia“.
Und dann nehmen wir uns das 100ste Lager vor.
Und bis dahin für uns alle ein kräftiges „Ski Heil“ und ein fröhliches „Glückauf“.
Festrede anlässlich der Feier zum 50. Jubiläum des
Siebenbürgisch-Sächsischen Jugendskilagers
auf der Mitterbergalm am Hochkönig
Von Hans Werner LOEW
Hochgeehrte Festversammlung, hochgeschätzte Ehrengäste, liebe Jugend, liebe junge Meute, liebe alte Knacker, oder wie man heutzutage korrekt formulieren muss, liebe alte Knackerinnen und Knacker!
Ein Sprichwort sagt: "Man ist so jung, wie man sich fühlt", dass ist nicht falsch, aber es ist nur die halbe Wahrheit, denn dieses Sprichwort haben die Alten sich selbst zum Trotz erfunden.
Unumstößlich ist aber die Tatsache, dass man so alt ist, wie man ist und schlimmer noch, auch so alt, wie man aussieht. Ich nenne jetzt keine bekannten Beispiele aus unserem Kreis, denn ich möchte diese Feierstunde nicht durch unkontrollierte Proteste stören lassen.
Also kurz und gut, ich darf im Namen der Alten zu diesem Jubiläum ein Grußwort sprechen.
Als 6. Redner in der Reihe der Grußverteiler gilt auch für mich der Satz von Karl Valentin: "Es ist schon alles gesagt, aber noch nicht von allen." Ich wiederhole daher nur stichwortartig:
50 Jahre Schilager der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend am Hochkönig ist für alle Outsider unvorstellbar, für alle Insider unvergesslich, ganz objektiv unvergleichlich, als Ereignis offenbar unverwüstlich, diese Feierstunde ist demnach unvermeidlich und wir begehen sie würdig und in rechter Art.
Die Welt verändert sich in rasendem Tempo, schneller als alle begreifen und viele verdauen können.
Hier oben aber in unserem Schilager scheint die Zeit doch auf wunderbare Weise für dieses Ereignis stehen geblieben zu sein und es entsteht - entgegen dem Flug der Zeiten - jährlich wieder und wieder die gleiche, eigene, kleine, unvergängliche Welt.
In meiner Rede zum. 40. Jahrestag - auf die ich hier selbstverständlich nachdrücklich verweise - , nannte ich dieses Schilager ein siebenbürgisch-sächsisches-deutsch-ö stereichisch-maghrebinischbulgarisches Gesamtkunstwerk von hohem Rang.
Das lässt sich bis heute mit vielen Beispielen aus der Tonkunst, der Dichtkunst, origineller Esskultur und vielfältigen Beispielen merkwürdigen Brauchtums eindrucksvoll belegen. Meiner damaligen Anregung, dem Siebenbürgisch-Sächsischen-Jugendlager als chronisches Kuriosum den Siebenbürgischen Kulturpreis zu verleihen, folgte der hohe Rat der Landsmannschaft leider nicht. So erneuere ich heute meinen Vorschlag, sehr geehrter Herr Vorsitzender, lieber Volker Dürr, wobei ich auch wiederhole, dass es uns nicht um die Auszeichnung als solche geht, wir bedenken uns bekanntlich ständig gegenseitig mit Orden und Ehrenzeichen - sondern alleine um das Preisgeld. Dieses wollen wir selbstverständlich ausschließlich für die kulturelle Schulung der Jugend im traditionellen Geiste verwenden, ob sie nun gleich mitmachen will oder erst später, das heißt in unserem Alter.
Aber immer und überall gilt auch: Nichts ist so beständig wie der Wechsel. Und 50 Jahre sind eine lange Zeit. Auch in unserer kleinen Welt geschahen Veränderungen, aus der Sicht der Alten wie immer und überall, sind dies Zeichen des Niedergangs.
Ich will dies an einigen Beispielen darstellen:
- Der Pro-Kopf -Verbrauch von Zwiebeln sank von 2,1 kg pro Kopf und Woche auf magere 0,21 kg,
- manche Lagerteilnehmer kennen Knoblauch nur noch von alten Erzählungen oder einigen Erwähnungen im Hüttenbuch,
- es werden vom Küchendienst immer weniger Hülsenfrüchte gereicht und von dem undankbaren Publikum. immer weniger verzehrt,
-aus Blechnäpfen wurden Porzellantassen,
- statt flaschenverzehrender Mulatschags, ausgelöst getragen und gesteigert von deftigem Liedgut, gibt es heute Schnee-Bar -Abende und Musik von Ricky, Martin, oder wie die Künstler heutzutage heißen,
- die Einführung warmer Duschen änderte nachhaltig die Duftstoffkonzentration in allen Räumen,
- aus den Gaskammern sind Deo-Center geworden,
- und Revolutionäre haben statt der guten alten Einheitsmarmelade bereits mehrfach Nutella auf den Frühstückstisch geschmuggelt.
Dies alles ist furchtbar, doch was hilft das Klagen der Alten.
Ein Beispiel dieser tragischen Wandlungen will ich jetzt näher ausführen:
Als Arnfried Antonius vorgestern so eindrucksvoll von den alten Zeiten und der Welt der Bulgaren sprach, stellte er auch seine Schihose -vor, die er 14 Jahre lang hier getragen hatte. Dazu muss man wissen, das waren damals keine Schihosen im engeren und heutigen Sinne, sondern das waren komplett eingerichtete Wohnhosen.
Ja, auch das ist ein Begriff aus alter Zeit, ein Wort, das es heute nicht mehr gibt. Dabei ist es unter Historikern unbestritten, dass erst die Erfindung der Wohnhose es den Menschen ermöglichte, in der rauen Welt des Hochkönig-Massivs und in den Alpen überhaupt zu überleben.
Wohnhosen waren Kleidungsstücke, die man täglich 24 Stunden trug, also zum Schilager mit An- und Abreise über 250 Stunden praktisch ohne Unterbrechung, denn die Hose wurde nur in Notfällen oder auf dringliche Anforderung heruntergelassen, z.B. um alte Freunde zu begrüßen.
Und jetzt muss ich der Jugend zurufen: "Schaut mal dagegen Eure Klamotten an!" Ja, die Jungen haben ungläubig so ein Exemplar bestaunt, und doch erfassten sie sofort, welch harte Knochen, will sagen, ganze Kerle in diesen Hosen steckten.
Ja, das waren wir, seinerzeit, und dieses sage ich voll Stolz für alle Anwesenden alte Knackerinnen und Knacker!
Aber nun von dem ständigen Wechsel wieder zu dein, was bleibt.
Was dieses Lager neben seinem Jubiläumsalter, seinen Jahresringen, seiner soziokulturellen Einmaligkeit auszeichnet, ist etwas sehr kostbares: Es ist eine Enklave vom alltäglichen Leben in den Tälern und vom flachen Land vor den Bergen, ein Biotop der Gemeinsamkeit, ein kleiner fruchtbarer Garten für lebenslange Freundschaften, für das Entstehen von persönlichen Verbindungen, von Gemeinschaften und Partnerschaften.
Dies gilt von der Gründerzeit bis heute.
Dies gilt von den Urvätern über die Bulgaren, über die Generation der Pinzi, Punki, Pepe, Paia bis zu den jüngeren Jungen dieser Tage.
Das liegt daran, dass man sich hier oben offener, freier, ungenierter und unverblümter begegnet als im Land vor den Bergen. Da merkt man schneller, was und wer zusammenpasst und wer zum dritten mal wieder kam, der passte bestimmt in diese kleine Welt.
Dafür sorgte auch die lenkende Hand des Bosses, z.B bei der Zusammenstellung des Küchendienstes. Hier wurde täglich aufs Neue sorgfältig ein Team zusammenkomponiert, wobei persönliche Zuneigung wie auch handfeste Abneigung gleichermaßen für die Nominierung ausschlaggebend sein konnte.
Und damit bin ich nun bei einem weiteren Thema: Lieber Helmut als ich gestern von der Ehre erfuhr, heute hier sprechen zu dürfen, sagtest Du mir ausdrücklich, ich solle etwas vom Lager erzählen, nicht aber immer wiedervon Dir.
Das habe ich bisher getan.
Und dennoch, ob es nun das 25, 30, 40. Jubiläum war oder heute die Feierstunde zum 50. Jahrestag, es gab und gibt eine Grundmelodie:
"Helmut wir danken Dir! "
Auch während Deiner gestrigen, längst überfälligen Krönung, nach der Besteigung des Thrones wie er so nur für Dich geschaffen werden kann, huldigte Dir das Volk mit diesen Worten: "Helmut, mir danken Dir! "
Wir danken Dir dafür, dass Du der Organisator und die Seele dieser kleinen Welt durch 5 Jahrzehnte hindurchweg warst, der Gärtner für diesen kleinen Garten der Freundschaft, der sich einmal im Jahr auftut für 10 Tage.
Und wir danken Dir dafür, dass die meisten Teilnehmer ein Stückchen reicher wieder in die Welt vor den Bergen zurückkehren, als sie hergekommen waren. Und wenn das zu pathetisch kling der soll in die Jahre kommen, da wächst Beobachtung und Einsicht. So wird hier noch ein Lied gesungen, das anderswo nicht mehr oder kaum noch erklingt: "das Lied von der wahren Freundschaft".
Der Dichter Simon Dach, ein Zeitgenosse Kants in Königsberg, hat nicht nur die Schnulze "ännchen von Tharau" geschrieben, sondern auch ein Gedicht über die Freundschaft.
Die ersten Zeilen lauten: "Dem Mensch ist nichts so eigen, und steht so wohl nichts an, als dass er Freundschaft zeigen und Treue halten kann."
Dieses Lager, dieses 50jährige Unikum, hat Vielen das wertvolle Gut der Freundschaft gezeigt und mitgegeben. Ich sage dies ohne jede Sentimentalität, das bleibt einfach stehen als ein solider soziologischer Befund.
Dieses Lager ist ein kleiner, fruchtbarer Garten der Freundschaft. Das spürt jeder, im Hirn oder im Bauch, je nach Veranlagung.
Lieber Helmut, Du hast Freundschaft gestärkt und gestiftet, das kann man nicht von vielen Leuten sagen. Und diese Deine wertvolle Gabe, hat das Lager stärker geprägt als Deine Lieder im unvermeidlichen C-Dur.
Noch einmal will ich zum Abschluss die Stimme der Alten zitieren. Selbstbewusst haben sie in Anlehnung an Brecht formuliert: "Nach uns wird kommen nichts Nennenswertes".
Die Zeile davor aber lautet: "Wir wissen, dass wir Vorläufige sind, und nach uns wird kommen nichts Nennenswertes." Diese Zeile vorher mildert die Anmaßung etwas, die sonst aus diesen Worten spricht.
Dieses Jahr bringt nicht nur ein Jubiläum, sondern auch einen Wechsel in der Lagerleitung und der damit verbundenen Verantwortung.
Die bisherigen Vorläufigen treten nun mit den Alten endgültig in den Hintergrund und neue Kräfte übernehmen die Ruder und das Steuer. Ich wünsche dringend und bitte ernsthaft, vorläufig für das nächste Jahrzehnt: Hütet und pflegt diese Oase, diesen kleinen eigenständigen fruchtbaren Garten der Freundschaft. Diese Arbeit trägt ihren Lohn in sich, und die Alten wissen, dass ihr Jungen dies auch wisst. Das stimmt zuversichtlich.
Und wie es heute heißt: Ich habe fertig.
Ich danke für Eure Aufmerksamkeit und Eure Geduld.
50 Jahr-Jubiläum Siebenbürger Jugendschilager.
Von Arnfried Antonius
Liebe Landsleute, Freunde und Bulgaren, liebe Oide und liebe Junge: Es ist kaum zu glauben ? das Helmut Volkmersche siebenbürger Jugendschilager existiert jetzt schon 50 Jahre - und wir sind immer noch dabei !! WIR. das sind die Bulgaren, das sind die, die dieses Schilager solange zurechtgehämmert haben bis es diese unvergleichliche Form angenommen hat, die jede Verwechslung mit anderen völlig ausschließt.
Meine eigene Erinnerung reicht nicht zurück bis zur Stunde Null, bis zum aller ersten Schilager, sondern nur bis in die frühen 50er Jahre. Wir sind damals aus Wien angereist mit Eisenbahn, Autobus und Ochsenkarren, eine ganz kleine Gruppe, andere Grüppchen aus Deutschland sind dazugestoßen und fertig ? War das Schilager? Die Zeiten damals waren hart, die Verpflegung war amerikanischer Cheddar Cheese und Tonnen von österreichischen Zwiebeln, und die Schiausrüstungen waren primitiv. Und so eine Schihose hat 100 mal geflickt werden müssen - dieses Ausstellungsstück aus grauer Vorzeit kann nachher besichtigt werden
("Enthüllung" DER HOSE!)
Aber ich wollte ja von den Bulgaren erzählen, ohne deren Pioniertaten dieses Lager zu derselben verweichlichten Schwachheit verkommen wäre wie alle anderen. Na, schauen wir einmal - wie ist denn diese Gruppe entstanden? Bei philosophischen Geistern war am Anfang
immer "das Wort", "die Tat", oder ähnlicher Firlefanz. Bei uns war am Anfang das Hemd!!! Eines schönen Schilagers kam der Helmut daher mit einem ganz wunderbaren roten Schihemd
- so auffallend, dass sofort der Witz entstanden ist: das Hemd sei zwar schön, aber leider gar nicht sehr rot ! Das hab ich natürlich auch sofort haben müssen, und schon am nächsten Lager gabs 2 davon, das vom Helmut und meines. Das war das Urmodell des roten Hemds - und ist nachher zu besichtigen als Ausstellungsstück No. 2, .... ("Enthüllung" DES HEMDS !!)
Dieser Idee haben sich sofort gleichgesinnte Freunde angeschlossen und zunächst warens 4 Rothemden mit meinem Bruder Günter und Erich Petrovitsch - und im Moment als unser damaliges Kücken Matzi den Windeln entwachsen war - da waren es 5. Das waren also die Rothemden, Bulgaren sind daraus erst geworden durch unser kulturelles, literarisches ENGAGEMENT!
Radio, Tonband und so Zeug war ja damals auf der Hütte unbekannt und so ist am Abend oft aus einem Buch vorgelesen worden, das geradezu unsere Bibel geworden ist: nämlich den Maghrebinischen Geschichten von Gregor von Rezzori.
Unserer Unterhaltung haben gedient die Heldentaten der sehr ruhmreichen Bojarengeschlechter der Karakriminalowitsch, der Kantakukuruz, der Pungaschij, und - mit einigem Abstand - auch das der Siktirbey. Wir haben gelernt wie man richtig Mulatschak feiert - nämlich der Kapelle die Ohren abschneiden, wie man für Freizeitunterhaltung sorgt - nämlich mit maghrebinischer Vendetta, und haben selbst neue Kurzweil dazuerfunden, wie z. B. den Extremsport des verschärften Schinkenklopfens mit gusseiserner Bratpfanne und 10 Meter Anlauf!
Besondere Stürme der Heiterkeit hat dann ein Kapitel (22) hervorgerufen wo die Rede ist von einem schwulen Major, dessen liebste Gefährten, oder wie er selber sagt: Seidenkaninchen und Nougatschnitten - die Bulgaren sind. Das ist dann sofort unser ständiger Insider-Witz geworden, und wir, diese ersten Rothemden, haben uns gegenseitig immer des Schwulentums bezichtigt, mit dem einzigen Wort: "Bulgare"!! Das hat natürlich sofort die fürchterlichsten Handgreiflichkeiten nach sich gezogen, Ärsche sind aufgerissen worden bis zum Stehkragen, Wadeln sind firi - und Kreuze eingerichtet worden, und so hat die Bezeichnung Bulgare mit der Zeit eine ähnliche Bedeutung angenommen wie Raubritter, Russen, oder Hunnen!!! Das war uns aber noch nicht genug. Wir haben uns gedacht was der James Bond kann, nämlich von Amts wegen seine Gegner abmurksen. das können wir auch - und so haben wir uns das 00 zugelegt.
Nun sind wir also angelangt bei BOO 1 bis B005. Das war dann die Zeit als ich Abschied nehmen musste von Europa und mich nach Südamerika abgesetzt hab. Damals war aber schon klar, dass Hansi Löw unser nächster Bulgare B006, und Walter Schiel unser B007 sein würden, und aus diesem Anlass hab ich dort drüben in Cumana, in der östlichsten Provinz Venezuelas, einen Gruß zusammengestellt der uns noch einmal kurz in diese Zeit Ostern 1969 und 70, zurückversetzen soll:
(Tonbandaufnahme im Archiv von B007)...
Zu dieser Zeit war also die Aufnahme in den Kreis der Bulgaren schon eine wirkliche formelle Zeremonie, rau aber herzlich. Das weitere Anwachsen unseres Kreises von BOO8 bis BOO1O, Walter Barosits, Rolf Mußgnug und Wolfgang Sandner, hab ich nur aus der Ferne mitverfolgen können, und immer an irgendeinem Meeresstrand mein Gläschen auf das Wohl der neuen Brüder geleert. Aber bei Detlef Theiss, BOO11 , da war ich endlich wieder dabei. Für jemanden der 21 Jahre im Ausland war ist es ein unbeschreibliches Erlebnis wieder heimzukommen in den Kreis solcher Freunde. Oder wie wir sagen: Freinde! Unsere BOO1 Tochter Birgit hat diese Freinde in einem Stammbaum verewigt den ich jetzt bitte zur öffentlichen Aushängung zu bringen.
Natürlich ist auch an unserem Bund die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Wir haben einen lieben Freund zu beklagen, unseren Muri. Otto Maurer, der keine Nummer getragen hat weil er unser einziger Ehrenbulgare war. Und wir gedenken mit wirklicher Liebe unserer Hilde, Hilde Theiss, die als Frau und ohne formellen Status, doch von den Uranfängen der Bulgarenbewegung an, immer unser lieber Freund und Kumpel gewesen ist. Im Geist werden sie immer bei uns sein !
Das ist also die bewegte Geschichte der Bulgaren, und die wäre -genau wie das ganze siebenbürger Jugendschilager - nie und nimmer zustande gekommen, wenn es nicht einen Mann gegeben hätte um den herum sich alles geschart hat: unseren BOO1, Helmut Volkmer, Gründer und Leiter dieses Schilagers seit 50 Jahren. Ich will jetzt nicht von diesem Verdienst sprechen, nicht von der Pioniertat so eine Institution ins Leben gerufen zu haben, und nicht von der zusammenhaltenden Kraft, die 50 Jahre lang die siebenbürger Jugend echte Bergkameradschaft gelehrt hat - das werden andere tun, aber natürlich auch nicht besser als ich - bruh ha ha !!!
Ich möchte nur davon sprechen, dass wir Alten, wir kleine Gruppe von Bulgaren, Dir, lieber Helmut danken für 50 Jahre Führung auf einem gemeinsamen Weg durch Dick und Dünn, für 50 Jahre wahrer Freundschaft und kameradschaftlichen Zusammenhalts. Diesen Dank haben wir verewigt in einer kleinen, aber äußerst haltbaren Plakette, die ich unseren Zeremonienmeister - BOO11 - nun bitte zu überreichen.... !! ! !
(Ich bin noch nicht fertig !!) Den Jungen möchte ich noch sagen: wir Alten, wir Bulgaren, wir wissen, dass nach uns nichts Nennenswertes mehr kommen wird, aber ihr Jungen, ihr sollt es wenigstens versuchen - das würde niemand mehr freuen als uns Oide. aber vor allem den BOO1, unseren lieben, unvergleichlichen, unersetzlichen HELMUT !!! Er lebe hoch, er lebe HOCH!! ER LEBE HOOOOCH!!!
In alter Freundschaft, B002
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